WinTouch Test: Lenovo Yoga 2 Pro

Lenovo hat sich zum größten Computerhersteller der Welt gemacht. Jetzt wollen wir Anhand des Lenovo Yoga 2 Pro überprüfen ob auch die Qualität und Praxistauglichkeit der Produkte dem Platz gerecht wird. Durch die Übernahme der legendären ThinkPad Serie von IBM haben die Chinesen die Latte einst hoch gesetzt. Bei einem doch sehr hohen Preis für das Yoga 2 Pro wäre es wünschenswert wenn es ein paar der guten Gene des ThinkPad abbekommen hat. Das Gerät selbst scheint perfekt für Windows 8 gemacht zu sein. Durch die verschiedenen Modi vom Tablet bis zum klassischen Ultrabook ist für jede Situation der richtige „Move“ und dank Windows 8 die richtige Oberfläche dabei. Das Testgerät wurde uns freundlicherweise von notebooksbilliger.de zur Verfügung gestellt wo es momentan für 1279€ zu haben ist. (Stand: April 2014)

Lenovo Yoga 2 Pro Stand

Verarbeitung und Design

Lenovo Yoga 2 Pro LieferumfangDer schlicht und funktional verpackte Alleskönner kann in zwei verschiedenen Farben geordert werden. Mit einem grauem Displaydeckel oder, wer es bunt und auffälliger mag, mit einem orangen Deckel. Im Test hatten wir das Modell mit grauem Displaydeckel. Durch das grau wirkt das Gerät klassisch schlicht aber trotzdem nicht langweilig. Mit einer Höhe von 15,5 mm ist das Convertible schön flach. Auch die Tiefe geht mit 220 mm für ein 13,3 Zoll Gerät noch in Ordnung. Lediglich die Breite ist durch die relativ großen Ränder um das Display mit 330 mm etwas größer ausgefallen. Die Breite ist wahrscheinlich durch den Tabletmodus begründet. Um nicht versehentlich Toucheingaben zu tätigen werden die Ränder um das Display größer gehalten. Lenovo Yoga 2 Pro geschlossen KuehlungDas Gewicht von 1,39 kg braucht sich auf keinen Fall vor der Konkurrenz zu verstecken und unterstreicht den mobilen Ansatz des Gerätes. Um eine in jedem Modus funktionierende Lüftung zu garantieren wurden die Lüftungsschlitze an die Rückseite des Gerätes gesetzt. Bei voller Leistung können die Lüfter deutlich wahrnehmbar laufen. Das will niemand lange hören und stört bei der Arbeit. Im Laptop Modus sollte das Gerät nicht auf eine Decke oder ähnliches weiches gestellt werden. Wie bei fast jedem Gerät wird die Kühlleistung dadurch deutlich vermindert da die Lüftungsschlitze im weichen Material versinken. Im normalen Office-Betrieb oder beim surfen im Internet bleiben die Lüfter jedoch fast immer unhörbar. Außer beim aller ersten einschalten waren auch sonst keine störenden Geräusche wie Spulenfiepen oder ähnliches zu hören. Der An-/Ausschalter ist leider unpraktisch an der vorderen rechten Seite platziert. Lenovo Yoga 2 Pro rechts 2Reicht man das Gerät Kollegen oder verschiebt es auf dem Tisch kommt es immer wieder vor das man diesen aus versehen betätigt. Ansonsten gibt es nicht viel zu meckern.

Die verwendeten Materialien fühlen sich angenehm und wertig an, besonders die gummierte Aufgeraute Oberfläche rund um die Tastatur kann überzeugen. Die Tastatur selbst mit integrierter Beleuchtung besitzt einen angenehmen Druckpunkt und ein sehr gutes Schreibgefühl. Auch sonst waren am Gehäuse keine Verarbeitungsmängel festzustellen. Die bei diesem Gerät besonders oft geforderten Displayscharniere sind aus Metall und machen einen soliden Eindruck. Lenovo Yoga 2 Pro DisplayscharnierBei einer Zugfahrt kann das Display schon mal anfangen zu wippen. Auch wenn man das Gerät im Standmodus verwendet und das Display antippt schwingt dieses leicht nach. Verstellen sollte es sich jedoch nicht. Nach einem Monat im Vollzeit-Testbetrieb waren erfreulicherweise keinerlei Gebrauchsspuren zu erkennen. Dafür ein großes Lob! Der Micro-HDMI, USB 2.0 und USB 3.0 Anschluss sowie der Kartenleser sind leicht zu erreichen. Auch der Netzstecker ist schnell und einfach nutzbar. Durch die gewählte gelbe Farbe sollte auch jeder sofort wissen wo er hingehört. Natürlich fehlt dem Yoga auch der Kopfhöreranschluss nicht.

Kameras, Mikrofon und Sound

Lenovo Yoga 2 Pro LautsprecherDas Yoga 2 Pro kommt mit einer HD (720p) Webcam die mittig oberhalb des Displays sitzt. Diese erzeugt ein anständiges Bild das für Videotelefonie oder kleine Schnappschüsse gut genug ist. Viel mehr macht man mit so einer Kamera im Endeffekt auch nicht. Das integrierte Mikrofon verrichten seine Dienste anstandslos. Bei Videotelefonie war man stets laut und deutlich zu hören. Die integrierten Boxen runden das Paket ab und überzeugen durch einen guten Sound. Musik, Filme und Spiele können so auch ohne Kopfhörer oder externe Boxen genossen werden. Alles in allem liefert Lenovo ein rundes Gesamtpaket an dem es nicht viel zu meckern gibt.

Mit der Kamera aufgenommenes Bild bei Innenlicht

Mit der Kamera aufgenommenes Bild bei Innenlicht

Display

5.760.000 Pixel. Mit dieser Auflösung löst das Display des Yoga 2 Pro auf. Das ergibt im 16:9 Format eine Auflösung von 3200 x 1800 Pixeln bei 13,3 Zoll. Wer meint das wäre viel der hat vollkommen recht. Apples Retina Modelle können in der Hinsicht einpacken. Nicht nur die Pixeldichte ist enorm, auch die Blickwinkel des IPS Panels sind sehr gut. Bauartbedingt darf natürlich auch ein Touchpanel nicht fehlen. Dieses reagiert immer schnell und genau. Auch die Helligkeit und die Farbdarstellung des Displays sind sehr gut. Leider spiegelt das Display sehr stark, bei Sonnenschein hilft da im Freien nicht mal mehr die maximale Helligkeit. Das Gerät wird praktisch unbenutzbar. Hin und wieder muss man also die eigene Sitzposition der Umgebung anpassen.

In der Modern UI und den Apps macht die Auflösung keinerlei Probleme, kritisch wird es jedoch auf dem Desktop. Die Anzeige wurde bei uns im Test auf 200% und Titelleisten auf 11 gestellt. Leider gibt es noch viel zu viele Anwendungen die nicht für hochauflösende Displays optimiert sind. So werden Objekte viel zu klein angezeigt und sind kaum mit der Maus zu treffen bzw. kaum lesbar. Origin von EA war hier ein sehr gutes Negativbeispiel. Auch die Browser liefern unterschiedliche Ergebnisse bei der Anzeige von Websites.

Sehr kleine Menüleiste bei Opera

Sehr kleine Menüleiste bei Opera

Während man in Opera mehrmals reinzoomen musste kamen Firefox, der Internet Explorer und Chrome besser mit der Auflösung klar. Was leider fehlt ist die Eingabe per Stift wie das z.B. beim Surface Pro der Fall ist. Wäre diese Funktion noch integriert wären wirklich so gut wie alle Fälle abgedeckt.

Konnektivität

Ultrabooks sind minimalistisch gehalten. Gewicht und Abmessungen sind auf Mobilität getrimmt. Dabei leidet dann auch oft die Anzahl der Anschlüsse. Ein USB 2.0, ein USB 3.0, micro-HDMI, der Kartenleser und eine Headsetbuchse sowie natürlich der Anschluss für das Netzteil sind im Gerät verstaut. Drahtlos greift man auf WLAN im 802.11 b/g/n Standard und Bluetooth 4.0 zurück. Alle Anschlussmöglichkeiten funktionierten Problemlos. Auch das WLAN machte keinerlei zicken und überzeugte durch eine ansprechende Übertragungsleistung.

Performance und Akkulaufzeit

Lenovo Yoga 2 Pro Asphalt 8Hier ein Satz vorweg, das Yoga 2 Pro gibt es in vielen verschiedenen Varianten zu unterschiedlichsten Preisen. Deshalb können die gemachten Erfahrungen für dieses Gerät nicht auf jedes andere Modell übertragen werden. Unser Testgerät wurde mit dem Core i5 4200U, 8GB RAM und einer 256 GB SSD ausgestattet. Damit ist es schon fast das Topmodell. Wie die technischen Daten erahnen lassen ist das Gerät für fast alle Anwendungen geeignet die man sich für so einen mobilen Alleskönner vorstellen kann. Die Einschaltzeiten sind phänomenal. Innerhalb weniger Sekunden ist das Gerät betriebsbereit. Office, Visual Studio, der Browser und andere Software startet dank der verbauten SSD ebenfalls sehr schnell. Die 8GB RAM sind für fast alle Fälle ausreichend. Wer wirklich mehr braucht wird wahrscheinlich eh zu keinem Ultrabook mit stromsparendem Core i Prozessor der U Reihe greifen. Moderne, leistungshungrige Spiele wie Battlefield 4, Call of Duty oder weitere Grafiklastige Titel laufen auf dem Gerät nicht, auch die Vorgängerversionen sind eher unspielbar. Die integrierte HD4400 Grafikkarte im Verbund mit dem Prozessor ist dafür einfach nicht potent genug. Was dem Yoga an Rechenpower für solch extreme Aufgaben wie Spielen fehlt kommt der Akkulaufzeit zugute, sollte man meinen.

Sunspider IE11 TouchDer 5400 mAh große Akku verhilft dem Convertible zu einer Laufzeit von ca. 6 Stunden im täglichen Betrieb. Im Web surfen, Office nutzen, ein paar kurze Spielsessions Asphalt 8, das Betrachten von PDFs, kurze Videos bei Youtube schauen, ein paar Apps nutzen. Alltag an so einem mobilen Gerät also. Damit pendelt sich der Wert im unteren Durchschnitt der mit Intel Haswell Prozessoren bestückten Ultrabooks ein. Versucht man die maximale Laufzeit rauszuholen und verzichten auf die Nutzung der Schnittstellen zur Außenwelt kommt man auf fast 9 Stunden. Geladen wird der Akku innerhalb von ca. 2 Stunden und 40 Minuten von 3% auf 100%. Alles in allem ist die Akkulaufzeit zufriedenstellend. Eine Reise mit dem Zug ist zu schaffen, 8 Stunden Dauernutzung im Büro ohne an die Steckdose zu müssen sind aber eher unrealistisch.

Software

Lenovo Energy ManagerLenovo liefert neben Windows 8.1 allerhand Software mit dem Yoga 2 Pro mit. Das fängt bei einer Testversion des schnell nervig aufblickenden McAfee Virenscanners (Ja, die Testversion ist sehr schnell abgelaufen…) an und hört bei kostenlosen Apps wieder auf. Ein paar halbwegs nützliche Softwarebeilagen waren aber auch dabei. Mit „Camera Man“ kann man Bilder mit der Kamera aufnehmen und diese Nachträglich bearbeiten. Dabei werden aber nur vorgefertigte Effekte, Stempel und Rahmen auf das Bild angewandt. Es handelt sich also nicht um ein so mächtiges Tool wie Photoshop oder Gimp. Interessant war auch die Fotoaufnahme via Sprachbefehl. Zum Auslösen der Kamera konnte der Befehl „1, 2, 3 Cheese“ verwendet werden. Der muss aber auch komplett in Englisch ausgesprochen werden, sonst passiert gar nichts. Da wurde wohl einfach mal die Übersetzung vergessen.

Der „Energy Manager“ von Lenovo erlaubt diverse Einstellungen und Kontrollmöglichkeiten zum Energiemanagement. Lenovo Transition„LenovoTransitions“ ermöglicht es verschiedene Apps in den verschiedenen Modi automatisch mit bestimmten Einstellungen zu nutzen. Weiterhin sind Apps wie „Evernote Touch“, „Ebay“, „Accu Weather“ oder „Lenovo Phone Companion“ installiert. Auch „Lenovo VeriFace“ zur Gesichtserkennung und Anmeldung bei Windows ist vorinstalliert. Mit „Lenovo Motion Control“ kann mittels einfacher Gesten durch Fotos, Powerpoints und Musiktiteln geblättert werden. Alles in allem findet der größte Teil der Software wohl keine Anwendung beim Endnutzer. Zum Glück lässt sich vieles auch ohne große Probleme deinstallieren.

Verhalten im täglichen Betrieb

Lenovo Yoga 2 Pro UltabookDer wohl wichtigste Punkt ist das Verhalten im täglichen Einsatz. Einen Monat lang wurde das Yoga 2 Pro als treuer Begleiter und Arbeitstier täglich genutzt. So bekommt man erst einen richtigen Eindruck wie das Gerät sich wirklich schlägt. Und genau dabei konnte es überzeugen! Das ganze Konzept ist in sich schlüssig. Immer wieder nutzt man jeden einzelnen Modus des Gerätes. Beim Verfassen von Texten oder beim programmieren den Laptopmodus. Bei der Nutzung von Apps am Schreibtisch den Zeltmodus. Unterwegs oder im Gespräch mit Kommilitonen und bei Arbeiten an der Tafel kam immer wieder der Tabletmodus zum Einsatz. Beim Präsentieren oder der Videowiedergabe der Standmodus. Jeder Modus hat so seine Berechtigung und wird auch genutzt. Die Abmessungen und das Gewicht sind völlig okay für so ein Gerät. Auch die Akkulaufzeit ist für sehr viele Szenarien völlig ausreichend. Lenovo Yoga 2 Pro NetzteilHinzu kommt die geringe Größe des Netzteils, denn die meiste Zeit ist eine Steckdose nicht weit entfernt. Kurz gesagt, das Lenovo Yoga 2 Pro hat das neue Tablet in den Ruhestand versetzt und den alten Laptop einstauben lassen. Wer will schon mehrere Geräte nutzen wenn man so einen ausgezeichneten Alleskönner an seiner Seite hat? Positiv ist auch die beleuchtete Tastatur und das meist gut reagierende Touchpad in Erinnerung geblieben. Nur ab und an hatte das Touchpad Aussetzer und hat die Finger gar nicht erkannt. Sonst wurden aber alle Gesten sauber erkannt, so wird eine externe Maus nicht mehr nötig sein. Die F1 bis F12 Tasten der Tastatur sind nur noch zweitrangig und müssen mit der FN Taste angesprochen werden. Stattdessen übernehmen Funktionen wie die Regelung der Lautstärke, der Helligkeit, der Displayausgabe usw. die normale Funktion der F-Tasten.

Die 256 GB große SSD sollte vollkommen ausreichen wenn man nicht gerade die gesamte Videothek mit sich führt. Die hohe Auflösung war im Desktopbetrieb leider manchmal mehr störend als nützlich. Lenovo Yoga 2 Pro TastaturEs lässt sich auch vortrefflich darüber streiten ob so eine hohe Auflösung überhaupt noch Sinn macht oder ob man sich einfach nur noch gegenseitig mit tollen Zahlen überbieten will. Die Geräuschkulisse kann man als nicht wahrnehmbar bezeichnen so lange der Lüfter nicht läuft. Wenn er jedoch läuft ist er ein wenig zu laut. Weiterhin hat sich das Gerät mehrfach beim spielen von Asphalt 8 wegen Überhitzung abgeschaltet. Woran das nun genau lag konnte nicht geklärt werden. Das Spiel läuft normal auch auf Atom-Tablets flüssig. Wahrscheinlich ist eher eine nicht ganz gelungene Portierung des Spiels Schuld, dass der Prozessor bzw. die Grafikeinheit so ins schwitzen kommen. Davon abgesehen hat sich das Gerät nie wegen Überhitzung ausgeschaltet.

Fazit

Endlich mal wieder ein Gerät welches Spaß macht und welches man am liebsten behalten würde! Das Lenovo Yoga 2 Pro ist ein sehr guter Begleiter im Alltag. Die kleinen Schwächen können das positive Gesamtbild nicht nachhaltig trüben. Die Leistung, die Abmessungen, die so vielfältige Einsetzbarkeit und die gute Ergonomie überzeugten im Test. Lediglich der relativ hohe Preis und die nicht ganz so gute Akkulaufzeit sind wohl eine zu große Hürde für den Massenmarkt. Viele Nutzer greifen da sicher schon auf die Businessmodelle zurück. Wer jedoch einen flexiblen Alleskönner mit einer tollen Verarbeitung haben will um alle Vorteile von Windows 8 zu nutzen der sollte unbedingt auch ein Auge auf das Lenovo Yoga 2 Pro werfen. Es muss auch nicht immer die teuerste Variante sein. Ein schwächerer Prozessor und 4 GB Arbeitsspeicher reichen wohl noch immer für die meisten Anwender aus. Auch eine 128 GB SSD Festplatte kann genug Speicherplatz bieten. Man muss sich nur fragen was man wirklich braucht.

Wir bedanken uns herzlich bei notebooksbilliger.de für diese außergewöhnlich lange Teststellung des Gerätes, die überhaupt erst einen so detaillierten Alltagstest ermöglicht hat.

 

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5-stern Yoga 2 Pro

Pro:

  • Vielseitig Einsetzbar durch vier verschiedene Modi
  • Perfekt für Windows 8
  • Sehr gute Ergonomie und Materialwahl
  • Sehr gute Auflösung und Betrachtungswinkel des Displays
  • Geringes Gewicht und kompakte Abmessungen
  • Sehr gute Tastatur

Contra:

  • Akkulaufzeit nur durchschnittlich
  • Stark spiegelndes Display
  • Hoher Preis
  • Software teilweise noch nicht für so eine hohe Auflösung optimiert
  • Abschaltung wegen Überhitzung

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