WinTouch Test: Archos 40 Cesium

Angriff im dem Billigpreis-Sektor: Das Archos 40 Cesium stellt sich heute unserem Test. Gerade einmal 89€ kostet das Gerät und ist schon bei einigen Händlern wie MediaMarkt/Saturn zu haben. Das kleine französische Smartphone mit Windows Phone 8.1 greift direkt das Lumia 530 von Microsoft (Nokia) an. Doch ist es seinen Preis auch wert? Was bekommt man für unter 100€ geliefert?

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Verpackung und Lieferumfang

Vermutlich war der Designer des Kartons vom Archos 40 Cesium mal Praktikant in der Microsoft Marketing-Abteilung. Auf den ersten Blick sieht der Karton den neuen Boxen der Lumia Smartphones verdammt ähnlich. Aber er ist besser gefüllt, wie die der Microsoft-Produkte. So finden wir neben Smartphone und Akku auch 3 Wechselcover (Schwarz, Lighting Yellow und Storm Blue), ein vollwertiges Headset in Einheitsgröße, ein USB-Datenkabel mit Steckernetzteil (5 V bei 800 mA) und einen Microsim- auf Minisim-Adapter im Paket. Wer also bereits ein Gerät besitzt, in dem eine Minisim verbaut ist, kann so ohne Nachkauf direkt wieder das ältere Format im Handy nutzen. Archos hat hier an alles gedacht. Lobenswert.

Ausstattung und Verarbeitung

Das Archos 40 Cesium ist laut Namensgebung ein Low-End Smartphone. Bei Archos steht die Zahl in der Namensgebung für die Displaygröße. In unserem Fall also 4 Zoll. Weiterhin verfügt das Gerät über folgende Spezifikationen:DSCF4219

  • 4 Zoll LCD Bildschirm (800 x 480)
  • Dual Sim
  • 1,2 Ghz Qualcomm MSM8212 Quadcore CPU
  • 4 GB Hauptspeicher (Erweiterbar durch MicroSD)
  • 512 MB RAM
  • 5 MP Hauptkamera
  • 0,3 MP Frontkamera
  • 1950 mAh Akku
  • Maße: 126 x 64 x 10,5 mm
  • Gewicht: 126 g

Die Verarbeitung ist durchaus gelungen. Zwar trägt das Gerät den französischen “Archos” Schriftzug, ist aber sonst Made in China. Das lässt natürlich die Vermutung hochschnellen, dass es sich hier um ein Referenzmodell von Qualcomm handeln könnte. Ausschließen können wir das nicht. Es hat deutliche Ähnlichkeiten mit dem Billy 4.0 oder dem Prestigio Multiphone 8400. Allerdings sind beide Geräte anders ausgestattet, bzw. sind die Hardwareknöpfe an anderen Positionen.

Das Rückcover lässt sich spielend leicht öffnen und gegen ein anderes austauschen. Archos verbaut hier auch ein echtes Bedienfeld mit den 3 Standard-Navigationstasten. Das gefällt uns. Einziges Manko hier: Der eingebaute Vibrator ist zu stark und lässt sich nicht deaktivieren. Wenn man auf die Navigationstasten drückt vibriert das kleine Archos sehr stark.

Die Kameras

2 Kameras für 89€ in einem Gerät? Gibt’s nicht bei Microsoft. Bei Archos schon. Und sogar einen Blitz hat man dem Gerät spendiert. Hier hinken sowohl das Lumia 530 als auch das Lumia 630 hinterher. Dort ist kein Blitz verbaut. Aber einen Knackpunkt muss das Gerät ja haben – und das hat es auch. Die Kameras sind nicht die besten. Zumal auch die Microsoft Kamera beim Fotografieren nicht das volle Bild ausfüllt, sondern oben und unten schwarze Balken einblendet. Diesen muss man per Hand entfernen, in dem man die Einstellung der Fotos von 5 MP auf 1024 x 768 Pixel abändert. Bei einer Videoaufnahme verschwinden diese Balken jedoch. Die Bilder sind keineswegs als Erinnerungsfotos zu gebrauchen. Für den ein oder anderen Schnappschuss reicht das aber allemal. Die Frontkamera hingegen ist eine Zeitreise ins Jahr 2004. Die VGA Kamera hat ein extremes Bildrauschen und ist für Selbstportraits (Selfies) gänzlich ungeeignet. Einen echten Kamerabutton gibt es, wie bei den kleinen Lumias, ebenfalls nicht. Für Aufnahmen bei Tageslicht (draußen) ist die Bildqualität in Ordnung. Bei Nacht ist das Gerät für Fotos absolut nicht zu gebrauchen. Der kleine Blitz bringt keine ausreichende Beleuchtung. Und bei Gegenlicht wird der Sensor überstrapaziert. Scannen von kleineren QR-Codes ist ebenfalls nicht sehr einfach. Hier arbeitet der Autofokus unzureichend und benötigt sehr lange um den QR-Code zu erfassen.

Beispielaufnahmen der Kameras:

Leider braucht  sowohl der Autofokus, als auch der Auslöser relativ lange, sodass schnelle Schnappschüsse unmöglich sind. Aufgrund des langsamen Auslösers sind viele Bilder auch verschwommen. Das ist aber mitunter der Microsoft Kamera geschuldet, welche als App vorinstalliert ist. Denn diese Probleme hatten wir ebenfalls mit dem Prestigio Multiphone 8500 Duo. Videos zeichnet das Gerät in den Auflösungen 640 x 480, 800 x 480 und 864 x 480 auf. Fotos hingegen in 640 x 480, 800 x 600, 1024 x 768, 1280 x 720 sowie den Modi “3Mp” und “5MP”. Die Geschwindigkeit der Anpassungen auf andere Lichtverhältnisse hat uns gefallen, sie ist vergleichsweise schnell. Einen Bildstabilisator suchen wir natürlich vergebens in einem Gerät dieser Preisklasse.

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Konnektivität

Die Dualsim-Funktion hat mittlerweile jeder schlechte Android China-Klon. Für Windows Phone ist diese Funktion neu und erst ab Version 8.1 möglich. So kommt auch das Archos 40 Cesium mit einer Dualsim Funktion daher. Eingesetzt werden können 2 Simkarten des Typs Minisim. Beide Simkarten können mit UMTS Geschwindigkeit surfen. LTE ist natürlich nicht verbaut. Auch auf NFC muss man im kleinen Cesium verzichten.

Der WLAN-Empfang ist als durchaus gut zu bezeichnen. Der Empfang war in meiner gesamten Wohnung gut. Die Geschwindigkeit ist immer einwandfrei und Verbindungsabbrüche gab es keine. Die Telefonqualität ist durchaus gut. Mit ein paar Hintergrundgeräuschen muss man aber leider leben. Dies ist aber nicht weiter störend.

Display

DSCF4217Nicht jeder steht auf Displays mit 5 Zoll Diagonale. Das Problem ist, dass es absolut keine Geräte auf dem Markt gibt, welche ein “kleines” 4-Zoll Display mit modernster Technik ala Lumia 930 in sich vereint. Auch das Archos 40 Cesium zählt mit seinem 4 Zoll Display in die Kategorie der kleinen und schwachen Geräte. Die Displayqualität ist mit der des Lumia 520 zu vergleichen. Wer schon einmal ein Lumia 520 bedient hat wird sich an die etwas raue Displayoberfläche erinnern. So ist es auch beim Archos 40 Cesium. Das Display ist aber keinesfalls schlecht. Man kann halt kein Highenddisplay in einem Lowend-Gerät erwarten. Fingerabdrücke sind leider ein arges Problem für das Display. Man ist eigentlich ständig damit beschäftigt das Display zu reinigen. Eine Gorillaglas-Beschichtung hat das 40 Cesium ebenfalls nicht. Hier ist eine Folie oder Handytasche also Pflicht für den Käufer.

Gegen Sonnenlicht ist das Display leider auch nicht gewappnet. Hier merkt man leider sehr wie verspiegelt das Gerät ist. Eine Bedienung im Freien ist somit sehr erschwert. Empfehlenswert ist hier die Helligkeit des Displays manuell auf hoch zu stellen, oder Anti-Reflektionsfolien zu kaufen.

Performance und Audio

wp_ss_20141108_0003Im Gegensatz zum Prestigio 8500 Duo läuft Windows Phone trotz der nur mageren 512 Megabyte Arbeitsspeicher ordentlich und flüssig. Laut Microsoft kann man auch 99% aller Apps im Store mit 512 MB Ram nutzen. Hardwarehungrige Spiele oder aber die “Lockscreen Beta” App lassen sich nicht nutzen. Die 512 Megabyte sind also durchaus gerechtfertigt und nicht anders zu erwarten im Lowend Segment. Im AnTuTu Benchmark schlägt sich das Gerät wacker. So kommen wir auf 11517 Punkte. Dies ist vor allem dem schnellen Prozessor (5207) geschuldet. Der Speicherzugriff und die Geschwindigkeit des Grafikprozessors sind allerdings äußerst mangelhaft. Immerhin platziert sich das Archos 40 Cesium in unserer internen Benchmarkliste sogar vor dem Lumia 925 und 1020. Asphalt 8 ließ sich aufgrund fehlenden Speichers nicht installieren. Asphalt Overdrive hingegen läuft wie geschnitten Brot.

Die Audio-Qualität im Lautsprechermodus ist Prima. Dafür sorgt auch ein verdammt großer Lautsprecher hinter der Gehäuseabdeckung auf der Rückseite des Gerätes. Fast Centstück groß ist die kleine Box. Top für diesen Preis!

Akkulaufzeit

Die Akkulaufzeit des kleinen 4 Zöllers ist positiv. Je nach Empfang der Simkarten und Anzahl der Apps verringert oder erhöht sich die Akkulaufzeit natürlich. Bei mir wollte das Gerät nach gut 2,5 Tagen wieder ans Ladegerät. Der Akkuentleerer, ein Tool dass den Prozessor mit 50% belastet und den Bildschirm bei voller Beleuchtung angeschalten lässt, übersteht das Archos 40 Cesium fast 7 Stunden am Stück. Ein großartiger Wert. Hier sind der relativ große 1950 mAh Akku, und das vergleichsweise kleine Display der Hauptgrund für diesen guten Wert.

Speicherplatz und Erweiterungsmöglichkeiten

Mit gerade einmal 4 GB internen Speicher ist das Gerät ausgestattet. Das reicht gerade einmal für ein paar Fotos und Videos. Dann sollte der Nutzer definitiv eine MicroSD Karte (mit bis zu 128 GB) nachschieben. Denn das System nimmt schon gut 2 GB in Anspruch. Apps und weitere vorinstallierten Dinge lassen dann gerade einmal 1,3 GB Speicher für den Nutzer übrig. Das ist deutlich zu wenig. MicroSD Karten kosten aber nicht mehr viel und sollten aber vorab in den Kaufpreis eingerechnet werden.

Fazit

Hier ein Fazit zu ziehen ist einfach. Es ist durchaus klar an wen sich Archos mit dem 40 Cesium als Kundschaft auserkoren hat. Leute die keine 100€ für ein Smartphone ausgeben wollen und dennoch mit Leistung überzeugt werden möchten. Das schaft Archos in diesem Fall hervorragend. Lässt man die schlechte Qualität der Kameras mal außen vor haben wir hier ein vollwertiges Windows Phone, wie es sein sollte. Noch dazu bekommt der Käufer einen großen Berg an Zubehör, um direkt loszulegen. Klar ist in einem Preissegment unter 100€ mit Abzügen zu rechnen. Diese fallen aber hier kaum ins Gewicht. Archos stellt den Nutzer nicht vor Kompromissen, wie fehlender Blitz, fest verbautem Akku oder fehlendem SD-Kartenslot. Nein Archos packt alles was zu einem Smartphone dazugehört in ein handliches 4-Zoll Gerät und verkauft es zu einem Preis der sich mehr als sehen lassen kann. Den Angriff auf die Konkurrenz beginnt Archos mit einem kleinen 4 Zöller. Hoffen wir das uns weitere Windows Phones mit größerem Display und noch besserer Ausstattung auch bald vorgestellt werden. Wir können das Archos 40 Cesium vor allem Neueinsteigern empfehlen.

Positiv:

  • Sehr günstig
  • 2 Kameras mit Blitz
  • Lieferumfang sehr gut
  • Quadcore-Prozessor mit guter Leistung
  • Gute Verarbeitung
  • Lange Akkulaufzeit
  • Sehr guter Sound

Negativ:

  • Display rau und kratzeranfällig
  • Miese Kameras
  • Vibrator zu stark und lässt sich nicht deaktivieren
  • Speicher sehr gering

Der Windows Phone 8 Smartphonevergleich: Vergleiche doch z.B. mal das Archos 40 Cesium mit …

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6 Responses

  1. Stefan sagt:

    Lässt sich die Vibration bei den Navigationstasten wirklich nicht in den Einstellungen deaktivieren? Weil es gibt das Problem das genau diese Einstellung nicht angezeigt wird, lässt sich aber schnell beheben.

  2. ano sagt:

    Heiligs Blechle, 800x4800er

    Krass, ein 4K Display. Irre. Warum steht das nicht bei den Pros? (oder Cons wo es beim LG G3 steht)

    xD

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