Strompreis für Endkunden steigt exorbitant auf bis zu 108ct/kWh – Hintergründe und Auswege

Energiesparlampen

Seit Jahren steigt der Strompreis stetig an. Während die Reduzierung der EEG-Umlage auf sinkende Strompreise hoffen ließ, kam dieses Jahr über Weihnachten der große Schock!

Bereits in den letzten Monaten sind die Gas-Preise stark angestiegen, was auch zunehmend auf die Strom-Preise Auswirkungen hatte. Nun spitzt sich die Lage dramatisch zu.

14 von 56 Reaktoren in Frankreich mit einer Leistung von 6 Gigawatt abgeschaltet

Atomkraftwerk

Der französische Energieversorger Électricité de France (EDF) musste 14 von 56 Reaktoren in Frankreich mit einer Leistung von 6 Gigawatt aufgrund massiver Sicherheitsrisiken abschalten. Ursprünglich wurden bei einem Atomkraftwerk in Civaux in Westfrankreich wegen festgestellter Mängel vorerst der Betrieb eingestellt. EDF teilte mit, dass Risse aufgrund von Korrosion an den Rohren eines Reaktors festgestellt wurden. Während einer Routineüberprüfung im August wurde bereits ein Reaktor vom Netz genommen, dieser Betriebsstopp wurde vor zwei Wochen verlängert.

Da in einem weiteren Atomkraftwerk des Stromversorgers in Chooz ähnliche Reaktoren genutzt werden, nahm EDF vorsichtshalber auch dieses vom Netz. Die beiden Kraftwerke vorerst zu stoppen, werde bis Ende 2021 zu einem Verlust von etwa ein Terawattstunde Strom führen, sagte EDF. Frankreich hat derzeit ein tägliches Stromdefizit von 12 Gigawatt, welches durch Importe aus Nachbarländern, wie durch Import deutscher Windenergie, gedeckt werden.

Die Wartungs- und Reparatur-Arbeiten werden sich nach derzeitigen Kenntnisstand noch mehrere Wochen in das neue Jahr 2022 ziehen. EDF verlor in Folge dessen rund 17% vom bisherigen Börsenwert.

Frankreich setzt wie kein anderes europäisches Land auf die Atomkraft, welche bisher als zuverlässig und günstig propagiert wurde. Die jüngsten Störfälle trüben diesen Blick nun ebenso wie die technischen Probleme beim Druckwasserreaktor der dritten Generation im südchinesischen Taishan, einem Joint-Venture zwischen Électricité de France (EDF) und der chinesischen Gruppe China General Nuclear Power Group (CGN). Ebenso wirft der Reaktor Olkiluoto 3 (OL3) fragen über die Wirtschaftlichkeit der Atomkraft auf. OL3 wird nicht nur mit 13 Jahren Verpsätung ans Netz gehen, sondern hat statt der ursprünglich geplanten 3 Milliarden Euro schlussendlich fast das Dreifache gekostet.

Streit um Nordstream2 und Gaslieferungen aus Russland spitzen sich zu

Pipeline im Bau

Einen weiteren maßgeblichen Einfluss hat der Streit um Nordstream2, sowie die allgemeinen russischen Gaslieferungen über Osteuropa. Während von deutscher und polnischer Seite Gazprom vorgeworfen wird nicht ausreichend Gas zu liefern, wird von russischer Seite der schwarze Peter Deutschland zugeschoben.

Deutschland wird durch die Yamal-Pipeline und die Nord Stream 1 mit Gas aus Russland versorgt. Die zwei großen deutschen Kunden von Gaszprom, Uniper und RWE, bestätigten zudem, dass der russische Lieferant seinen vertraglichen Verpflichtungen nachkomme. Nun stellt sich die Frage, wie es dennoch zu derart kritischen Engpässen kommen konnte.

Zwischen den verschiedenene Energiekonzernen und Staaten werden fest garantierte Liefermengen zu besonderen Konditionen vereinbart. Darüber hinaus gibt es ein variables Liefervolumen. Derzeit beschränkt sich Gazprom lediglich auf die fest zugesicherten Liefermengen. Vor allem Polen ist stark von den reduzierten Gaslieferungen betroffen. Teile des nach Deutschland gelieferten und gespeicherten Erdgas wurde nach Polen verkauft, weshalb derzeit durch die Yamal-Pipeline derzeit das Erdgas von der brandenburgischen Verdichterstation in die entgegengesetzte Richtung nach Polen strömt. Putin sieht dies als Ursache für die steigenden Gaspreise. Doch die Sache ist komplexer.

Russland könnte bei den hohen Gaspreisen gut verdienen, wenn der russische Monopolist Gazprom selbst die Lieferung direkt übernehmen würde. Scheinbar wird trotz Abstreiten versucht die Abhängigkeit für politische Ziele zu missbrauchen. Zum einen versucht Russland seit geraumer Zeit Druck auf die Freigabe von Nordtream2 auszuüben, zum anderen spitzt sich die Lage bezüglich der Ukraine immer weiter zu. Da ist ein derartiges Druckmittel ideal. Je weiter die europäischen Reserven zurück gehen, umso mehr ist man auf die Liefrungen angewisen, dh. man müsste in einem Konfliktfall unter Umständen zwischen notwendigen Gaslieferungen oder dem Schutz der Ukraine entscheiden.

Zwar sind die europäischen Gasreserven zu 64% (84% im Vorjahr) gefüllt und die Versogung der Haushalte ist noch gewährleistet, doch die Preise sind exorbitant angestiegen. Nicht nur, dass die Preise für die Endverbraucher stark angestiegen sind, inzwischen sind die ersten Anbieter Pleite oder nehmen keine Kunden mehr auf. Der hohe Gaspreis wirkt sich durch die Gaskraftwerke auch unmittelbar auf den Strompreis aus.

Strompreise überschlagen sich zu den Festtagen

Nachdem bereits immer mehr Stromlieferanten nicht mehr in der Lage waren ihre Lieferverträge wirtschaftlich zu bedienen und bereits mehrere Anbieter insolvent sind, haben seit dem 22. Dezember fast alle Anbieter ihre Preise stark angehoben.

Die überregionalen Stromtarife der meisten Anbieter liegen derzeit bei 50-60ct/kWh – das entspricht in etwa einer Verdoppelung der bisherigen Preise. Am härtesten düfte es allerdings die Betroffenen im Netz der Stadtwerke Pforzheim (SWP) treffen, die seit dem 22. Dezember in die Grundversorgung fallen, zum Beispiel durch die Insolvenz eines anderen Anbieters. Der derzeitige Arbeitspreis bei den Stadtwerken Pforzheim beträgt 107,66ct/kWh, was wohl einen neuen Rekordpreis darstellen dürfte.

Natürlich ist es theoretisch möglich nach einem Monat zu einem anderen Anbieter zu wechseln, doch aufgrund der aktuell angespannten Lage ist es schwierig einen anderen Anbieter zu finden, der noch neue Kunden aufnimmt und solide Preise anbietet.

Die einzig gute Nachricht ist, dass die solventen, meist kommunalen Versorger, langfristige Stromlieferverträge oder eigene Erzeugungsanlagen besitzen, sodass sich Bestandskunden vorerst während ihrer regulären Laufzeit keine Sorgen über explodierende Strompreise machen müssen; bei einzelnen Anbietern sinkt bei einer Preisbindung ab dem 1. Januar 2022 der Arbeitspreis leicht durch die gesenkte EEG-Umlage.

Erneuerbare Energien bezahlbar und Rückgrad der Stromversorgung

Erneuerbare Energien

Die Erneuerbaren Energien bilden derzeit das Rückgrat der europäischen Stromversorgung. Während im Sommer vor allem der Solar-Strom dominiert, ist im Winter die Hauptsaison der Windkraft. Auf diese Weise ergänzen sich beide Energieformen ideal, während die Wasserkraft ganzjährig die Grundlast deckt. Über Pumpspeicherkraftwerke ist es zudem möglich Lastspitzen und Schwankungen im Stromnetz klimaneutral auszugleichen.

Obwohl Frankreich bisher den Fokus auf Atomenergie gesetzt hat, hat Frankreich auch in den vergangenen Jahren vor allem in den Wintermonaten günstigen Strom aus deutscher Windkraft importiert. Erneuerbare Energien sind längst einer der günstigsten Energieerzeugungsanlagen und aufgrund ihrer dezentralen Struktur im europäischen Verbundsystem ein wesentlicher Stabilitätsfaktor geworden und ersetzen zunehmend die Atom- und Kohlekraftwerke in Deutschland.

Auswege aus den hohen Strompreisen

Um den exorbitanten Strompreisen entfiehen zu können, gibt es nur wenige Optionen: Man kann versuchen zu einem der wenigen bezahlbaren Anbietern zu wechseln und/oder erzeugt den Strom zu Teilen selbst.

Bei unseren Recherchen konnten wir lediglich zwei solvente, überregionale Anbieter finden, die zu soliden Konditionen Neukunden aufnehmen:

Darüber hinaus gibt es noch weitere regionale/kommunale Anbieter, die jedoch die Angebote auf ihr eigenes Stromnetz oder eine bestimmte Region beschränken und ebenfalls noch solide Angebote anbieten.

Eine weitere Möglichkeit Geld zu sparen besteht über eine eigene Photovoltaik-Anlage, welche bei Bedarf auch mit einem Energie-Speicher kombiniert werden kann. Wir empfehlen hierzu diverse Angebote zu vergleichen, zum Beispiel von SWB-Solar.

Sofern man über kein Eigenheim verfügt – sei es ein Mietshaus und der Vermieter ermöglicht keine PV-Anlage oder wohnt in einer Wohnung – besteht auch die Möglichkeit auf ein Balkonkraftwerk (diverse Angebote) zurückzugreifen. Dieses muss lediglich dem Netzbetreiber gemeldet, jedoch nicht genehmigt werden. Interessante Informationen zum Thema Balkonkraftwerke sind hier zu finden.

Ebenfalls lohnt es sich Gedanken über unnötige Stromverbraucher zu machen und ggf. veraltete ineffiziente Geräte durch neue zu ersetzen. Dies kann Haushaltsgeräte wie alte Gefrierschränke, allerdings auch das simple Umrüsten auf LED-Lampen bedeuten. Ebenfalls ist es durch Hausautomation möglich den Verbrauch zu optimieren. Beratung zur Hausautomation bietet zum Beispiel Wolf.Services – Telefon: +49 89 2154490 0 Mail: info@wolf.services

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  • Dieses Thema hat 2 Antworten und 2 Teilnehmer, und wurde zuletzt aktualisiert vor 6 Monaten von Hypnosetherapeut Simon Brocher aus Köln.
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