IFA Next 2026: Humanoide Roboter und KI rücken in Berlin in den Mittelpunkt
Humanoide Roboter gehören zu den auffälligsten Technologiethemen der IFA 2026. Im Innovationsbereich IFA Next zeigt die Berliner Technikmesse in diesem Jahr eine größere Zahl entsprechender Systeme als jemals zuvor. Daneben stehen künstliche Intelligenz, Smart Glasses, Assistenzsysteme und neue Formen der Mensch-Maschine-Interaktion im Mittelpunkt.
Rund 300 Aussteller aus Unternehmen, Start-ups und Forschung werden im Bereich IFA Next erwartet. Damit wächst die Innovationsplattform der Messe deutlich und entwickelt sich zunehmend zu einem internationalen Schaufenster für Technologien, die bislang vielfach noch Forschungs- oder Nischencharakter hatten.
Humanoide Roboter verlassen zunehmend das Labor
Lange galten humanoide Roboter vor allem als Forschungsprojekte oder spektakuläre Demonstratoren. Inzwischen versuchen zahlreiche Unternehmen, die Systeme für konkrete Aufgaben in Industrie, Dienstleistungen und perspektivisch auch im privaten Umfeld nutzbar zu machen.
Auf der IFA zeigen Hersteller, wie moderne Roboter laufen, Gegenstände bewegen, ihre Umgebung erkennen und mit Menschen interagieren können.
Zu den angekündigten Unternehmen aus dem Robotikbereich gehören unter anderem Unitree, AGIBOT, Deep Robotics, Cozio Robotics, MagicLab, Galbot, Pudu Robotics und Astrall Dynamics. Ergänzt wird die Ausstellung durch Exoskelette und andere robotische Assistenzsysteme.
Entscheidend bleibt allerdings, wie weit die Systeme tatsächlich vom produktiven Alltagseinsatz entfernt sind. Spektakuläre Bewegungsabläufe auf einer Messe sind noch kein Beleg dafür, dass humanoide Roboter zuverlässig und wirtschaftlich komplexe Tätigkeiten in Haushalten oder Unternehmen übernehmen können.
Gerade Sicherheit, Akkulaufzeit, Kosten, Zuverlässigkeit und die Fähigkeit, mit unvorhersehbaren Situationen umzugehen, dürften darüber entscheiden, wie schnell sich die Technologie außerhalb kontrollierter Umgebungen durchsetzen kann.
Roboter auf dem Laufsteg
Besonders sichtbar wird der Robotik-Schwerpunkt beim Programmpunkt „Robots on the Runway“.
Dabei präsentieren verschiedene Hersteller ihre humanoiden Systeme auf einer Bühne und verbinden technische Demonstrationen mit einem klassischen Showformat. Unter den angekündigten Teilnehmern befinden sich Primebot Robots, EngineAI, Cozio Robotics, Dobot Robot, DEEP Robotics, AGIBOT und Unitree.
Das Format fand am 5. September auf der Creator Stage statt.
Damit zeigt sich auch ein Wandel bei der Präsentation neuer Technologien. Roboter werden nicht mehr ausschließlich in Forschungsumgebungen oder hinter abgesperrten Messeständen demonstriert, sondern zunehmend als sichtbarer Bestandteil von Entertainment und Popkultur inszeniert.
RoboCup bringt Forschung auf die Messe
Deutlich wissenschaftlicher fällt der RoboCup aus.
Dabei treten Forschende und Studierende mit Robotersystemen in unterschiedlichen Disziplinen gegeneinander an. Besonders bekannt sind die Fußballwettbewerbe, bei denen autonome Roboter gemeinsam spielen und eigenständig auf Spielsituationen reagieren müssen.
Auf der IFA präsentiert das Team Berlin United der Humboldt-Universität zu Berlin entsprechende Systeme. Vorführungen finden während der gesamten Messe vom 4. bis 8. September statt.
Robotischer Fußball wirkt zunächst wie Unterhaltung, dient aber gleichzeitig als anspruchsvolle Testumgebung. Die Maschinen müssen ihre Umgebung erfassen, Entscheidungen treffen, Bewegungen koordinieren und mit anderen Robotern zusammenarbeiten.
Viele dieser Fähigkeiten sind auch für spätere Anwendungen in Industrie, Logistik oder Assistenzrobotik relevant.
Rund 300 Aussteller bei IFA Next
Der Innovationsbereich wächst 2026 deutlich.
Nach Angaben der IFA werden rund 300 Aussteller erwartet. Bereits vor Messebeginn waren Teilnehmer aus 25 Ländern bestätigt. Eigene Länderpavillons gibt es unter anderem aus Italien, Südkorea, Taiwan, Singapur, den Philippinen und China.
IFA Next richtet sich dabei besonders an Start-ups, Scale-ups, Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die neue Technologien präsentieren.
Damit unterscheidet sich der Bereich teilweise von klassischen IFA-Hallen, in denen vor allem marktreife Fernseher, Smartphones, Haushaltsgeräte oder Unterhaltungselektronik vorgestellt werden.
Bei IFA Next stehen stärker Technologien im Mittelpunkt, die sich teilweise noch in einer frühen Entwicklungsphase befinden.
Smart Glasses und neue Schnittstellen zwischen Mensch und Technik
Robotik bildet zwar einen Schwerpunkt, ist aber nicht das einzige Zukunftsthema.
Mehrere Unternehmen zeigen Smart Glasses, Extended-Reality-Systeme und KI-Wearables. Unter anderem präsentieren Latitude, Holoswim, World Eye AI Wear Alliance und BleeqUp entsprechende Technologien.
Dabei geht es zunehmend um die Frage, wie Menschen zukünftig mit digitalen Systemen interagieren.
Neben klassischen Smartphones oder Computern könnten Brillen, Ringe und andere Wearables künftig zusätzliche Schnittstellen zu KI-Assistenten und digitalen Diensten bilden.
Technologien wie KI-Wear oder intelligente Ringe sollen Steuerung und Informationszugriff unauffälliger in den Alltag integrieren.
Ob sich solche Geräte langfristig durchsetzen, hängt allerdings nicht nur von der Technik ab. Faktoren wie Tragekomfort, Akkulaufzeit, Datenschutz und gesellschaftliche Akzeptanz spielen bei Wearables eine besonders große Rolle.
KI soll Meetings und Büroarbeit vereinfachen
Auch künstliche Intelligenz für den Arbeitsalltag bekommt auf der IFA Next einen eigenen Schwerpunkt.
Unternehmen wie Plaud und Flowtica präsentieren Lösungen, die Meetings aufzeichnen, Notizen erstellen oder Arbeitsabläufe automatisieren sollen.
Damit zeigt sich ein weiterer Trend: KI wird zunehmend in spezielle Hardware integriert.
Statt ausschließlich über Smartphone oder Computer auf einen generischen KI-Assistenten zuzugreifen, entwickeln Hersteller Geräte, die auf einzelne Aufgaben zugeschnitten sind.
Gerade bei der automatischen Verarbeitung von Gesprächen und Meetings entstehen allerdings neue Datenschutzfragen. Entscheidend ist unter anderem, wo Sprachaufnahmen verarbeitet und gespeichert werden und ob dafür externe Cloud-Dienste eingesetzt werden.
Exoskelette als praktische Assistenztechnik
Neben humanoiden Robotern werden auch weniger spektakuläre, aber möglicherweise schneller einsetzbare Assistenzsysteme gezeigt.
Unternehmen wie Kenqing und Head Robotic präsentieren tragbare Exoskelette, die menschliche Bewegungen unterstützen können.
Solche Systeme könnten beispielsweise in Industrie und Logistik eingesetzt werden, um Beschäftigte bei körperlich belastenden Tätigkeiten zu entlasten.
Auch Anwendungen im Gesundheits- und Rehabilitationsbereich sind denkbar.
Während vollständig autonome humanoide Roboter noch mit zahlreichen technischen Herausforderungen kämpfen, besitzen spezialisierte Assistenzsysteme häufig einen klarer definierten Einsatzzweck.
Auch Pflanzen, Haustiere und Kaffee werden smart
Die Bandbreite von IFA Next reicht noch deutlich weiter.
Unternehmen präsentieren Technologien aus PetTech, Smart Living, Entertainment und Connected Lifestyle. Dazu gehören unter anderem intelligente Lösungen für Haustiere und Pflanzen.
Mit XBrew findet sich sogar ein vernetzter Nitro-Coffee-Maker unter den angekündigten Produkten.
Der Innovationsbegriff der Messe umfasst damit längst nicht mehr nur klassische Unterhaltungselektronik.
Nahezu jeder Alltagsbereich wird inzwischen mit Sensoren, Software, Vernetzung und zunehmend auch künstlicher Intelligenz kombiniert.
Dream Stage bringt Start-ups und Industrie zusammen
Das zentrale Bühnenprogramm von IFA Next findet auf der Dream Stage in Halle 25 statt.
Geplant sind beziehungsweise waren dort Keynotes, Panels, Produktdemonstrationen und Wettbewerbe für Start-ups.
Bei den sogenannten Pitch Battles treten junge Unternehmen mit ihren Geschäftsideen gegeneinander an. Die Halbfinals finden am 4. und 5. September statt, das Finale am 6. September auf der Creator Stage.
Daneben beschäftigt sich das Programm mit Themen wie Robotern im Haushalt, künstlicher Intelligenz in der Küche, Datennutzung, Unterhaltung im Auto und nachhaltiger Elektronik.
Die Bandbreite verdeutlicht, dass KI zunehmend weniger als eigenständige Produktkategorie betrachtet wird. Stattdessen wird sie zur Basistechnologie, die sich durch zahlreiche Branchen zieht.
Wie weit sind humanoide Roboter tatsächlich?
Gerade humanoide Roboter erzeugen derzeit große Aufmerksamkeit.
Ihre menschenähnliche Bauform hat einen potenziellen Vorteil: Viele Wohnungen, Fabriken und Arbeitsplätze wurden für Menschen gestaltet. Ein Roboter mit ähnlichen Abmessungen und Bewegungsmöglichkeiten könnte theoretisch vorhandene Infrastruktur nutzen, ohne dass komplette Arbeitsumgebungen umgebaut werden müssen.
In der Praxis sind die Anforderungen allerdings enorm.
Ein Roboter muss seine Umgebung zuverlässig erkennen, Bewegungen präzise ausführen und auf Situationen reagieren können, die während der Entwicklung nicht vorhergesehen wurden.
Hinzu kommen Fragen zu Sicherheit und Haftung. Ein mehrere Dutzend Kilogramm schwerer Roboter, der autonom mit Menschen zusammenarbeitet, muss deutlich höhere Sicherheitsanforderungen erfüllen als ein gewöhnliches Haushaltsgerät.
Deshalb dürfte der kurzfristige Einsatz vor allem dort realistisch sein, wo Aufgaben und Umgebung vergleichsweise gut kontrollierbar sind.
IFA Next zeigt den Wandel der Technikmesse
Die starke Präsenz von Robotik und künstlicher Intelligenz zeigt zugleich, wie sich die IFA verändert.
Klassische Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte bleiben wichtige Bestandteile der Messe. Gleichzeitig gewinnen Zukunftstechnologien, Start-ups und Forschungsprojekte deutlich an Sichtbarkeit.
Mit rund 300 Ausstellern entwickelt sich IFA Next dabei zunehmend zu einer eigenständigen Innovationsplattform innerhalb der IFA.
Besonders humanoide Roboter liefern auf der Messe eindrucksvolle Bilder. Die entscheidende Frage wird jedoch nicht sein, wie überzeugend sie auf einer Bühne laufen oder tanzen können.
Interessanter ist, welche Systeme in den kommenden Jahren zuverlässig genug werden, um tatsächlich Aufgaben in Fabriken, Unternehmen, Pflegeeinrichtungen oder privaten Haushalten zu übernehmen.
Die IFA 2026 liefert darauf noch keine abschließende Antwort – zeigt aber deutlich, wie schnell Robotik und künstliche Intelligenz derzeit aus Forschungslaboren in Richtung kommerzieller Anwendungen drängen.

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Thomas Wolf vor 1 Monat, 1 Woche.